Reiner Jäckle
Georg Friedrich Händels „Messiah“, seit seiner Uraufführung 1742 eines der bedeutendsten Werke der geistlichen Oratorienliteratur, erklang im Überlinger Münster in einer Aufführung, die auch im Vergleich mit renommierten internationalen Interpretationen bestehen konnte.
Das renommierte Barockorchester L’arpa festante begleitete ein exquisites Solistenquartett mit Marie-Sophie Pollak (Sopran), Jan Börner (Altus), Patrick Grahl (Tenor) und Martin Häßler (Bass) sowie die Münsterkantorei unter der Leitung von Melanie Jäger-Waldau. Gemeinsam entstand eine eindrucksvolle Zelebration festlicher Barockklänge.
L’arpa festante musizierte in kammermusikalischer Besetzung mit kleinem Streicherapparat und einer Violone. Das Basso-Continuo wurde durch Theorbe und Clavi-Organum farbig erweitert, sodass die Basis je nach Charakter auf Cembalo oder Truhenorgel ruhte. Der Klang zeigte sich hell, differenziert und stilistisch fein austariert, ergänzt durch Barockoboen sowie – in den großen Chören – durch Trompeten und Pauken: schlank und grazil, zugleich von überzeugender Fülle.
Marie-Sophie Pollak gestaltete ihre Sopranpartien fein und klar, Jan Börner überzeugte mit beweglichem Timbre, Patrick Grahl mit lyrischem Schmelz und Martin Häßler mit kraftvoller Präsenz. Allen gemeinsam war eine ausgezeichnete Artikulation.
Auch die Münsterkantorei zeigte sich klanglich geschlossen und bewältigte die großen Chorsätze sicher, auch in kontrapunktischer Dichte. Neben dem strahlenden „Halleluja“ überzeugten besonders der Lobpreischor sowie die große Amen-Fuge.
Zu den Höhepunkten zählten zudem die Bass-Arie mit obligater Naturtrompete sowie die Sopranarie „I know that my Redeemer liveth“. Die pastorale Sinfonie ließ mit ihrem sanft wiegenden Ton Händels Italienzeit anklingen.
Im spätgotischen Raum des Münsters, vor der Kulisse des Zürn-Retabels, entfaltete die Aufführung ihren besonderen Reiz. Insgesamt eine bemerkenswerte Interpretation, die in der Region nicht so bald wieder zu hören sein dürfte.
Jean B. de Grammont